Tafellappenschlacht in Zeitlupe
Der Stoff ist immer noch aktuell: Schülerinnen und Schüler der Heinrich-Böll-Gesamtschule inszenieren Szenen aus der 80 Jahre alten Blyton-Geschichte „Hanni und Nanni“. Publikumm klatscht begeistert.
Düren. Was finden Schülerinnen und Schüler heute an Enid Blytons Geschichten von „Hanni und Nanni“, die vor rund 80 Jahren bereits in Buchserie gingen? In der Heinrich-Böll-Gesamtschule widmeten sich jetzt mehr als hundert Schülerinnen und Schüler des Fachs Darstellen und Gestalten in den letzten Monaten dieser Frage und fanden erstaunlich viele Anknüpfungspunkte.
Ihre Ideen und Szenen, die in Anlehnung an Episoden aus den berühmten Büchern entstanden sind,brachten sie in einer abwechslungsreichen Theateraufführung auf die Bühne.
Fast poetisch präsentieren die Darsteller aus dem Jahrgang 8 ihre Szene „Immer dagegen“ als Bewegungstheater mit Stühlen. Sobald sich die Gelegenheit bietet, versuchen sie in Konflikten ihre Grenzen auszuloten, provozieren und werden vor die Tür gesetzt, wo sie sich unvermittelt in albtraumartigen Situationen wiederfinden. Dabei geht es bloß um die Frage „Wer putzt die Tafel?“.
Einer fulminanten Tafellappenschlacht in konzentrierter Zeitlupe folgt ein überraschender Schluss, als die Siegerin dieser Schlacht sich in einem oscarreifen Monolog für ihre neue, Aufgabe bedankt.
Starke Bilder
„Die Neue“ hat es im Jahrgang sieben nicht leicht, natürlich wird sie nach allen Regeln der Kunst ausgegrenzt, beim Frühstück und in den Pausen, überall wird sie von den anderen gemieden. Erst im abendlichen Waschsalon kann sie endlich mit den tollen Pflegeprodukten gegen Pickel und Pusteln bei ihren neuen Mitschülern punkten. Starke Bilder entstehen hier vor allem, wenn die Schüler im chorischen Zusammenspiel die Folgen der massiven Ausgrenzung spürbar machen.
Jahrgang sechs fegt wie ein vergnügter Wirbelsturm über die Bühne und feiert eine der berühmten „Mitternachtspartys“ . Neben dem Verzehr ungewöhnlicher kulinarischer Kombinationen (Fleischpasteten mit Sprühsahne) wird hier eine wilde Tanzparty mit Kissenschlacht gefeiert. Das bleibt nicht ohne Folgen: Übelkeit am nächsten Morgen wird aber problemlos mit einem fröhlichen Kanon vertrieben!
Schließlich präsentiert der Jahrgang zehn, im wirklichen Leben haben sie gerade die zentralen Abschlussprüfungen überstanden, eine Szene zum Thema „Abschied“. Da sitzen sie nun auf gepackten Koffern und erinnern sich unter anderem an erste Mensa-Essenspläne, die sie in beeindruckendem Sprechchor auf die Bühne bringen, und an Lehrersprüche aus den letzten Jahren, die nicht immer nur lustig waren. Der Ausblick auf die ungewisse Zukunft bildet schließlich einen nachdenklichen Abschluss des Theaterabends.
„Mehr davon!“
Die mehr als hundert Schülerinnen und Schüler wurden von einem durchweg begeisterten Publikum gefeiert. Eine beachtliche Leistung, die auch zeigte, welche Entfaltungsmöglichkeiten sich den jungen Leuten im Fach Darstellen und Gestalten bietet. „Mehr davon!“, wünscht sich auch Iane Reisenauer, Koordinatorin für das Fach. Diese Jahrgangsübergreifenden Theaterprojekte fördern einen guten Zusammenhalt unter den teilnehmenden Schülern und stärken die Identifikation mit der Schule.